Wie wir unterschiedliche Interessengruppen im Spiel verstehen

Die unterschiedlichen Sichtweisen und Erwartungen in der Wissenschaftskommunikation verstehen

Wissenschaftskommunikator*innen machen komplexe wissenschaftliche Informationen für alle verständlich. Bei der Kommunikation mit verschiedenen Gruppen muss entschieden werden, wieviel über das wissenschaftlich gesicherte Wissen gesagt wird, und wie viel über wissenschaftliche Unsicherheiten. Je mehr Details zu wissenschaftlichen Unsicherheiten gegeben werden, desto schwieriger kann es sein, dass zentrale Botschaften über das wissenschaftlich gesicherte Wissen ankommen. Einige Menschen möchten tief in ein Thema eintauchen und alle Details erfahren, während andere klare und einfache Antworten auf ihre Fragen suchen.

Es sind nicht nur die Mitglieder der Öffentlichkeit, die sich in ihren Ansprüchen unterscheiden. Auch Wissenschaftler*innen und Behörden haben unterschiedliche Ansichten dazu, wie wissenschaftliche Unsicherheiten kommuniziert werden sollten. Entsprechend sehen sich Wissenschaftskommunikator*innen oft im Spannungsfeld zwischen drei Gruppen:

  • Öffentlichkeit,
  • Wissenschaft,
  • Behörden.


Bei der Entwicklung des Spiels „Talk Science“ haben wir versucht, diese drei Perspektiven zum Thema wissenschaftliche Unsicherheit abzubilden. Dazu haben wir mit Mitgliedern jeder Gruppe zusammengearbeitet und ihr Feedback eingeholt. Aber wie genau unterscheiden sich diese Perspektiven im Spiel?

Die Öffentlichkeit: „Ist die Sicherheit der Technologie nicht zweifelsfrei bewiesen?“ Im Spiel erfahren die Bewohnenden der fiktiven Gemeinde Quantaheim über den geplanten Mobilfunkausbau in ihrer Nachbarschaft. Sie suchen nach klaren und eindeutigen Aussagen zur Sicherheit der Technologie. Wenn die Spielenden jedoch häufig Unsicherheiten ansprechen, erhalten sie kritische Rückfragen.
Dieser Wunsch nach Klarheit zeigt sich auch in der realen Risikokommunikation. Wenn dieser Wunsch nicht erfüllt wird, kann das Vertrauen in die Verantwortlichen in Wissenschaft oder Behörden sinken.

Wissenschaft: Der Umgang mit wissenschaftlichen Unsicherheiten ist ein zentraler Teil der wissenschaftlichen Arbeit. Die Grenzen des aktuellen Wissens sollen in der Wissenschaftskommunikation hervorgehoben werden – andernfalls verlieren Wissenschaftler*innen das Vertrauen in die Wissenschaftskommunikation.

Behörden: Behörden bewerten Risiken und treffen Schutzmaßnahmen auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dabei beziehen sie auch wissenschaftliche Unsicherheiten ein in Schutzmaßnahmen der Bevölkerung: Was muss getan werden, damit Menschen auch im Lichte wissenschaftlicher Unsicherheiten ausreichend geschützt sind? Behörden erwarten deshalb, dass Wissenschaftskommunikation den Kenntnisstand und auch wissenschaftliche Unsicherheiten vermittelt. Zusätzlich soll Wissenschaftskommunikation auch vermitteln, wie Schutzmaßnahmen wissenschaftliche Unsicherheiten berücksichtigen. Im Spiel bevorzugen Behörden daher Antworten, die auch diese Schutzmaßnahmen vermitteln. Eine Schutzmaßnahme kann beispielsweise die Initiierung von Forschungsprojekten sein, die wissenschaftliche Unsicherheiten verringern sollen. Oder eine Berücksichtigung wissenschaftlicher Unsicherheiten bei der Festlegung von Grenzwerten.

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